Altdeutsche Deckung

Das Haus des Salineninspektors

Das historische Haus des Salineninspektors wurde für eine moderne Nutzung saniert. Das Dach bekam eine schöne Altdeutsche Deckung aus Fredeburger Schiefer®.
In Unna-Königsborn wurde im Park des ehemaligen Luisenbades das heruntergekommene Haus des Salineninspektors für eine wirtschaftliche Nutzung total saniert. Das Dach bekam eine Schieferdeckung aus Fredeburger Schiefer.

In der Vergangenheit war Salz das „Weiße Gold“. Wo Salz gewonnen wurde, florierten Handel und Wohlstand.

Ein bedeutender Standort der Salzgewinnung war das in Westfalen am Hellweg gelegene Unna. Im Dorf Brockhausen soll salzhaltige Sole bereits 1389 durch die „Sälzer zu Brockhausen“ gesiedet worden sein. Im Jahre 1734 wurde ein Brunnen ausgeschachtet, der zu Ehren des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. den Namen Königsborn (des Königs Brunnen) erhielt. Das neben der Salzsaline betriebene Luisenbad war seinerzeit ein gesellschaftlicher und kultureller Mittelpunkt, der auch vom preußischen Kronprinz Friedrich Wilhelm besucht wurde.
Das historische Haus des Salinen- inspektors wurde für eine moderne Nutzung saniert. Das Dach bekam eine schöne Altdeutsche Deckung aus Fredeburger Schiefer®.
Durch das Abteufen der Förderschächte im Kohlebergbau versiegten zunehmend auch die Solequellen im Raum Unna. Das endgültige Aus der Saline und Kuranlagen in Königsborn kam nach dem Zweiten Weltkrieg. Geblieben sind Reste der ehemaligen königlichen Saline, unter anderem das Haus des Salineninspektors. Das Baudenkmal steht direkt neben dem Alten Amtshaus, damals Verwaltungsgebäude der regionalen Salzgewinnung.

Das unter Denkmalschutz stehende Inspektorengebäude war im Laufe der Zeit total heruntergekommen. Nur durch gründliche Baumaßnahmen vom Keller bis einschließlich Dach war eine Sanierung der Bausubstanz und eine wirtschaftliche Nutzung des Baudenkmals zu realisieren. Ein vordergründiges Planungsziel war der Ausbau des Dachgeschosses nach heutigen Kriterien.

Dachaufbau (Skizze)
Das aus Betondachsteinen mit Randeinfassungen aus Schiefer gedeckte Dach wurde abgetragen und ein brauchbares Dachtragwerk nebst Dachschalung, Vordeckung und raumseitiger Wärmedämmung erstellt. Das Dach hat von innen nach außen diesen Aufbau:
  • Deckenbekleidung, GKF,
  • Traglattung,
  • Dampfsperre, luftdicht verlegt,
  • Vollsparrendämmung,
  • Holzschalung,
  • Schalungsbahn, diffusionsoffen,
  • Schieferdeckung.
Die Gauben sollten durch kubische Form und Metallbekleidung nicht den Eindruck einer Kopie nach historischen Vorbildern wecken. Am Gebäude sind Alt und Neu deutlich ablesbar.
Einvernehmlich mit der Dacharchitektur des in Blickweite stehenden ehemaligen Verwaltungsgebäude der Salzsaline, heute Altes Amtshaus, bekam auch das Haus des Siedeinspektors eine Altdeutsche Schieferdeckung aus Fredeburger Schiefer®. Die handwerkliche Detaillierung der Schieferdeckung beider Gebäude ist optisch übereinstimmend und ausführungstechnisch perfekt.

Zur Versorgung der genutzten Dachgeschossräume mit Tageslicht wurden mehrere moderne Dachflächenfenster und kubische Gauben mit Flachdach in die Dachflächen eingebaut. Im Gegensatz zu der bei denkmalgerechten Dachsanierungen üblichen Ringsumbeschieferung der Gauben und deren Ankehlung durch Schieferkehlen, wurde hier eine allseitige Bekleidung aus Titanzink gewählt. Als Grund wird die deutliche Kenntlichmachung neu hinzugefügter Bauteile genannt, denn nur so ist für den Betrachter die ursprüngliche Gestaltung des Gebäudes ablesbar.
Bei zeitgemäßer Nutzung eines Baudenkmals kann auf moderne Bauteile nicht verzichtet werden. Dachwohnfenster und Gauben versorgen die Dachgeschossräume mit Tageslicht.
Die Unterdeckung der Zinkelemente besteht aus einer strukturierten Trennlage aus diffusionsoffener Trägerbahn mit aufkaschierter, 8 mm auftragender Wirrfasermatte aus Polyamid. Die noppenförmige Trennlage hat mehrere bauphysikalische Funktionen, zum Beispiel verhindert sie als Drainageschicht eine schadensursächliche Tauwasserbildung an der Unterseite der Blechelemente.

Die Wangenbekleidung der Gauben ist durch Schichtstücke (Nocken) an die Deckgebinde der Dachfläche angeschlossen.

Schichtstücke sind winklig gekantete Anschlussbleche, hier aus Walzblei. Bei einem Wangenanschluss mit Schichtstücken beginnt oder endet jedes Deckgebinde auf einem Schichtstück. Jeder Stich- oder Ortstein wird mit einem Schichtstück unterlegt.
Detail Gaubenwange. Dachdeckungsarbeiten: Böddicker GmbH, Brilon. Fredeburger Schiefer®: Schiefergruben Magog GmbH, Bad Fredeburg.
Die Ortgebinde überdecken die Schichtstücke je nach Dachneigung mindestens 12-15 cm. Die Höhenüberdeckung der Schichtstücke untereinander beträgt bei Schieferdeckung mit Gebindesteigung mindestens ein Drittel mehr als die des jeweiligen Decksteingebindes. Die Schichtstücke werden an den Wangen 8 cm aufgekantet und von der Wangenbekleidung überdeckt. Die zwischen Schieferdeckung und Wangenbekleidung verbleibende Anschlussfuge ist ein Wartungsdetail; sie muss von Laub oder Moos freigehalten werden, damit der Wasserweg nicht blockiert wird.

Wie beim benachbarten Alten Amtshaus erhielt auch die an der Westseite des Siedeinspektorenhauses über einem Bruchsteinsockel ansetzende Giebelwand eine außenseitige Wärmedämmung und eine hinterlüftete Holzschalung mit Vordeckung. Bei der Schieferbekleidung wurde auf Schmuckbänder oder Ornamente verzichtet und eine schlichte Altdeutsche Deckung gewählt. Die Flächenwirkung wurde mit kleinen Decksteinen und eingebundenen Anfang- und Endortgebinden erreicht.
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