Die Kirche auf dem Probsteiberg
Das westfälische Baudenkmal St. Pankratius in Belecke bekam nach statischer Sicherung des Dachtragwerks eine Altdeutsche Schieferdeckung.

Die heutige Hallenkirche wurde 1748 an den romanischen Turmsockel von 1360 angebaut.
Belecke liegt am Nordrand des Sauerlandes, nahe Soest. Seit der kommunalen Neugliederung im Jahre 1975 ist Belecke ein Ortsteil der Stadt Warstein.
Die Stadt auf dem Probsteiberg, hat eine wechselvolle Geschichte. Im Jahre 1296 erhielt das vorwiegend landwirtschaftlich orientierte, der Hanse angehörende Belecke das Stadtrecht. Krieg, Pest und Brände waren ihr Schicksal. Das größte Unglück geschah im April 1805: Zwei Drittel der mittelalterlichen Stadt, Ackerbürgerhäuser aus Fachwerk, wurden durch Feuer zerstört. Einige Gebäude, teilweise aus dem Jahr 1670, säumen heute noch die engen, verwinkelten Straßen. Schon bald nach dem Brand entstand am gleichen Ort ein neues Belecke, mit einem neuen, sich rechtwinklig kreuzenden Straßengefüge, einem kleinen Rathaus und einer Probstei.
Bezeichnend für das Ortsbild von Belecke ist die weithin sichtbare Pfarrkirche St. Pankratius mit dem in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstandenen, aus bis zu drei Meter dicken Wänden bestehenden, spätromanischen Turmsockel. Die mehrmals gestufte Barockhaube wurde 1682, nach der Zerstörung des ursprünglich gotischen Turmhelms durch Blitzschlag, aufgesetzt.

Die heutige Hallenkirche wurde 1748 an den romanischen Turmsockel von 1360 angebaut.
Im Jahr 1748 wurde das erste Kirchenschiff mit den drei Osttürmen wegen angeblicher Baufälligkeit abgerissen und die heutige Kirche im Stil einer einschiffigen, barocken Hallenkirche an den Westturm angebaut. Über die Baugeschichte der Kirche, besonders über das Dachtragwerk und die ältesten Dachdeckungen gibt es keine gesicherten Nachrichten. Ob der heutige Kirchenbau ursprünglich ein Strohdach oder bereits ein Schieferdach hatte, ist ungewiss; die großen Sparrenabstände von bis zu 1,20 m lassen ein Strohdach vermuten.
Im Jahre 2007 bedurfte das Kirchendach einer umfangreichen Restaurierung. Die gealterte Schieferdeckung war defekt und reparaturanfällig. Der Dachstuhl musste statisch gesichert, im Bereich der Traufe saniert und der Glockenturm restauriert werden. Das mit der Planung und Bauleitung beauftragte Architekturbüro katalogisierte eine durch Fotos gestützte Befundsicherung und besorgte die Ausschreibung und Koordinierung der Baumaßnahmen.

Die heutige Hallenkirche wurde 1748 an den romanischen Turm sockel von 1360 angebaut.
Zunächst wurden Aufschieblinge und Dachschalung längs der Traufen in einer Breite von 2 m entfernt. Jetzt konnte der Zustand der Konstruktionshölzer, z.B. Balkenköpfe, Sparrenfußpunkte und Mauerlatten, begutachtet und das Dachtragwerk durch umfangreiche Holzbauarbeiten statisch gesichert werden.
Eine umfängliche Restaurierung erforderte auch der im First stehende zwiebelförmige Glockenturm. Die Tragkonstruktion wurde ausgebessert und mit Stahlseilen und Zugstangen verankert. Das profilierte Eichengesimse wurde erneuert und der Turm insgesamt neu geschalt.
Nach dem Abriß der Altdeckung wurde auf der vorhandenen Eichenschalung zunächst eine vorläufig regensichere Vordeckung verlegt. Diese schützte das Dachtragwerk und Gewölbe während der sich länger hinziehenden Dachbauarbeiten gegen Niederschläge.

Windeluke und Sattelgauben haben eingehende Wangenkehlen und eingebundene Sattelkehlen.
Die bereits bei einer vorherigen Neudeckung gewendeten Eichenbretter wurden von Fachleuten als nicht mehr gebrauchstauglich erkannt. Außerdem hatte die Schalungsebene infolge der großen Sparrenabstände von bis zu 1,20 m starke Niveauunterschiede von bis zu 30 cm. Verständlich, dass auf dieser Deckunterlage keine neue solide Schieferdeckung mit Gewährleistungsanspruch aufgebracht werden konnte. Den durch Langzeiterfahrung des Dachdeckerhandwerks abgesicherten Bedenken wurde bauseits entsprochen und von Zimmerleuten eine neue Schalungsebene für die Schieferdeckung hergestellt. Dazu wurden zunächst auf der mit Schalungsbahnen vorgedeckten Dachschalung nach Schnur oder Richtlatte eingemessene Abstandhalter aus Kanthölzern und/oder Keilen befestigt. Darauf folgte eine stabile Konterlattung in Gefällerichtung und 28 mm dicke Dachschalung mit Vordeckung aus dif fusionsoffenen Bahnen.

Windeluke und Sattelgauben haben eingehende Wangenkehlen und eingebundene Sattelkehlen.
Die Neudeckung des insgesamt 700 m² großen Daches erfolgte in Altdeutscher (Einfach)deckung mit Decksteingrößen der Sortierungen 1/8 und 1/12. Diese entsprechen funktional und optisch dem großen Sparrengrundmaß, der Dachflächengröße und dem großen Betrachtungsabstand. Die Rechts- und Linksdeckung der Deckgebinde entspricht dem windexponierten Standort des Gebäudes und der westfälischen Bautradition.

Das Balkenauflager des Glockenturmes wurde statisch gesichert und der Gesimskranz in Eichenholz erneuert. Die schöne Schieferdeckung ziert ein restauriertes Turmbesteck mit der Jahreszahl 1748.
Die Schieferdeckung ist beispielhaft detailliert. Alle Grate sind mit Anfang- und Endortgebinden von maßstäblich ausgewogener Länge und rundem Rückenhieb gedeckt. Die Wangenflächen der Satteldachgauben und Windenluke sind eingehend angekehlt, die Sattelkehlen gemäß den Fachregeln des Dachdeckerhandwerks eingebunden. Der Verbund zwischen Kehl- und Deckgebinden wurde einerseits der Gauben regelmäßig mit Kehlübergangssteinen und andererseits unregelmäßig mit Schwärmern hergestellt.