Altdeutsche Deckung

Nach Umbau wieder ein Schieferdach

Umbau und Erweiterung des Althauses von 1823 entsprechen der gebauten Umwelt.
Im Schmallenberger Sauerland, am Ortsrand von Oberkirchen, wurde ein Althaus von 1823 zu einem Gästehaus umgebaut und erweitert. Das Haus wurde teilweise abgerissen und durch einen angegliederten Neubau erweitert. Die Außenwände des Neubaus haben Sichtfachwerk, die des Althauses Schieferfassaden nach historischem Befund.

Die Baumaßnahmen erforderten durch die Angliederung des Neubautraktes an das Althaus erhebliche Eingriffe in das vorhandene Dachsystem. Der alte Dachstuhl musste statisch gesichert und mit dem Dachtragwerk des Neubaus zu einer architekturverträglichen Dachform gefügt werden.

Den Bedingungen des energiesparenden Wärmeschutzes (EnEv) wurde durch eine Dämmung der Sparrengefache mit boratfreiem Zellulosedämmstoff (Nennwert λ = 0,039 W/mK)
Die Gaubenschleppdächer haben eine Altdeutsche Doppeldeckung.
Vor Beginn der Dämmarbeiten mussten die zu dämmenden Gefache abgeschottet werden, damit die unter Druck eingeblasenen Zelluloseflocken nicht in benachbarte Hohlräume ausweichen konnten. Dazu wurden unterhalb der Sparrenaußenseite Holzfaserdämmplatten zwischen den Sparren verlegt (Bild 5). Auf der Sparrenunterseite bewirken Dampfsperre und Traglattung der Deckenbekleidung die Abschottung der Sparrenfelder.

Die Ankehlung der Wangenflächen und das auf dem Gaubenfirstgebinde angesetzte Kragengebinde.
Zwischen Außenseite Holzfaserdämmplatte und Holzschalung befindet sich eine aktive Luftschicht (Bild 5). Der Zuluftquerschnitt befindet sich hinter den Dachrinnen. Der erforderliche Entlüftungsquerschnitt ist in einem entlang der Firstlinie durchgehenden Entlüftungselement aus mehrfach gekanteten Kupferblechen untergebracht.

Die 45° bis 52° geneigten Dachflächen des Satteldaches erhielten gemäß Althausbefund wieder eine Altdeutsche Deckung aus Decksteinen der Handelsgrößen Achtel bis Zwölftel. Wie in der Region üblich, sind die einzelnen Dachflächen je nach ihrer Orientierung zur Hauptwindrichtung in Rechts- oder Linksdeckung ausgeführt. Die Giebelortgänge sind als Anfang- und Endorte ausgebildet, die Endorte als Endstichortgebinde.
Dachfläche mit Schleppgaube und zweiteiliger Firstentlüftung aus mehrfach gekantetem Kupferblech.
Die Versorgung der Dachräume mit Tageslicht erfolgt, sofern dies nicht durch Giebelfenster möglich ist, durch Fenster in Schleppgauben. Diese Gaubenform hat bei den Schieferdächern des Sauerlandes Tradition. Die Schleppdächer dieser Gauben haben seitlich einen etwa fünfzehn Zentimeter breiten holzkonstruktiven Überstand, bestehend aus einem Hängebrett und seitlicher Ortgangleiste. An der Traufe sind die vorkragenden Sparrenköpfe als Gesimskasten aus waagerechtem Hängebrett und senkrecht stehendem Stirnbrett ausgebildet.

Gauben sind wie das Dach ein vielschichtiges Funktionssystem. Wichtige Kriterien der Gaubenkonstruktion sind unter anderem die Verhütung von Wärmebrücken und die luftdichte Ausbildung von Fugen im Bereich der Gaubenknotenpunkte und Fensteranschlüsse. Ein für die Dachdeckerarbeit wichtiges Konstruktionsdetail ist die Anschlusshöhe zwischen Oberkante Brüstungsriegel und Schieferdeckung. Sie muss gemäß Fachregel mindestens acht Zentimeter betragen.
Dachaufbau.
Die wohngerechte Gaubenfensterhöhe bewirkt eine relativ geringe Neigung der verschachtelten Gaubendächer. Um Risiken gering zu halten, wurden die Gaubendachflächen in Altdeutscher Doppeldeckung mit dementsprechend großen Schiefern und einer Höhenüberdeckung von mehr als die halbe Steinhöhe gedeckt. Es ist allerdings zu bedenken, dass Randbereiche der Dachfläche nicht in Doppeldeckung ausgeführt werden. Die zwischen den Gaubendächern verlaufende Kehle wurde wegen des geringen Gefälles nicht als Schieferkehle, sondern mit gekanteten Kehlblechen als untergelegte Kehle ausgebildet.

Die Wangenflächen der Schleppgauben sind mit Schieferkehlen an die Dachdeckung angeschlossen. Die eingehend gedeckten rechten oder linken Wangenkehlen werden von einem Wangenfirstgebinde überdeckt. Das Firstgebinde endet vor der Kehlschalung und verläuft von da aus mit kehlsteinähnlichen Kragensteinen an der Dachfläche aufwärts. Der jeweils letzte, plan aufliegende Kragenstein der Kragengebinde, wird einerseits der Gaube mit einem Schwärmer und andererseits mit einem Kehlanschlussstein an ein Deckgebinde der Dachfläche angeschlossen.

Die Dachdeckungs- und Bauklempnerarbeiten wurden von der Firma Albers Bedachungen, Schmallenberg-Westfeld ausgeführt.
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Schiefergruben
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