Denkmalpflege

Versäumte Baupflege

Erhaltene und restaurierte Baustrukturen des ehemaligen Klosters Rumbeck.
In der westfälischen Ortschaft Rumbeck bei Arnsberg wurde um 1190 ein Kloster für Ordensfrauen gegründet. Das später aus der Stiftskirche und mehreren Konventsgebäuden bestehende Kloster war von einer hohen Bruchsteinmauer umgeben, von der heute noch Reste erhalten sind.

Um 1804 wurde Kloster Rumbeck aufgehoben. Nach 1900 zerstörte ein Brand mehrere Konventsgebäude, andere gingen in Privatbesitz über. Die Klosterkirche wird heute von der Gemeinde Rumbeck als Pfarrkirche St. Nikolaus, die 1715 erbaute Wohnung der Priorin als Pfarrhaus genutzt.
Die Neudeckung des Kirchendaches wurde gemäß Befund des Altdaches wieder mit westfälischem Schiefer in Altdeutscher Doppeldeckung ausgeführt.
Die Klosterkirche wird bereits 1193 urkundlich erwähnt. Sie war eine aus heimischem Bruchstein erbaute, rechteckige Pfeilerhalle, ohne Seitenschiffe und Chor. Gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts wurde die Kirche zu einer gotischen Hallenkirche umgebaut und barockisiert. Das Dach erhielt einen Glockenturm mit barocker Haube und Turmbesteck.

Durch eine 1997 durchgeführte dendrochronologische Untersuchung des Eichenholzes wurde nachgewiesen, dass Teile des Dachstuhls noch aus der Bauzeit der Kirche stammen. Welche Dachdeckung die Kirche im Laufe der Jahrhunderte hatte, ist nicht nachzuweisen. Die großen Sparrenabstände lassen vermuten, dass das Kirchendach zumindest in der ersten Zeit mit Stroh gedeckt war. Später folgten dann Schieferdeckungen, die jeweils nach einer für Schieferdächer relevanten Zeit erneuert wurden.
Der neue Glockenturm wurde auf dem Erdboden abgebunden und auf einer neuen Holz-Stahlkonstruktion aufgesetzt.
Die Schadensursachen

Im Jahre 2004 war eine Totalsanierung des Kirchendaches fällig. Anlass dazu war die in einen instabilen und maroden Zustand geratene Dachkonstruktion. Besonders die Eichenhölzer im Bereich der Traufen waren morsch und befallen. Der Glockenturm musste insgesamt abgebrochen werden.

Ursächlich für die erheblichen Feuchteschäden am Eichenholz des Dachtragwerks waren die aus mehreren Gründen über lange Zeit vernachlässigte Baupflege und Wartung des Schieferdaches. (Grundregel für Dachdeckungen, Abdichtungen und Außenwandbekleidungen. Abschnitt 6. Ausgabe September 1997. Hrsg. Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks.) Regelmäßige, fachgerechte Inspektionen der Dachdeckung und Dachinnenseite aus geringem Betrachtungsabstand waren bei diesem Baudenkmal nicht üblich. Schadensursächliche Defekte der Schieferdeckung blieben somit über längere Zeit unbemerkt, besonders auf den weniger geneigten Dachflächen über den Aufschieblingen längs der Traufen und in den Sattelkehlen der Gauben. In solchen Dachbereichen werden defekte Schiefer nur bei fachmännischer Inspektion auffällig, da angebrochene, Wasser einleitende Steine mitunter nicht sofort aus dem Steinverband herausfallen und bei Doppeldeckung oft nur aus geringem Betrachtungsabstand geortet werden können. Schadensursächlich können auch vom Steildach auf weniger geneigte Traufenbereiche abgleitende Schnee- und Eislawinen sein.
Angefrorene Schneebarrieren behindern den normalen Wasserablauf in die Dachrinne; das dadurch stauende Wasser kann durch Überdeckungsfugen der Schiefer auf die Unterkonstruktion ablaufen.

Die aus Bruchstein gemauerten Gewölbe erschwerten eine Inspektion der Dachinnenseite aus geringem Betrachtungsabstand. Es fehlte an raumwirksamer elektrischer Beleuchtung des Dachraumes sowie sicheren Gangways zu den besonders feuchtegefährdeten, vom Staub der Jahrhunderte dick überlagerten Gewölbezwickeln, Mauerkronen und Fußschwellen. An unzugänglichen Stellen der Dachinnenseite konnten Hölzer des Dachtragwerks über lange Zeit unbemerkt vor sich hinfaulen.
Klosters Rumbeck. Die Neudeckung des Kirchendaches wurde gemäß Befund des Altdaches wieder mit westfälischem Schiefer in Altdeutscher Doppeldeckung ausgeführt.
Die Dachsanierung

Wegen der an mehreren Stellen des Kirchendaches anstehenden Zimmerarbeiten wurde zunächst die Dachdeckung abgetragen und auf der alten Eichenschalung eine vorläufige Deckung aus gitterverstärkten Unterspannbahnen aufgebracht. Anschließend erneuerten die Zimmerleute abschnittweise den gesamten Traufenbereich und versetzten das Dachtragwerk an vielen Stellen durch Einbau neuer Eichenhölzer in einen stabilen Zustand.

Da man die gealterte, rissige Eichenschalung bei früheren Baumaßnahmen schon mal gewendet hatte, war sie für eine Neudeckung mit Schiefer nicht mehr gebrauchstauglich.

Deshalb wurde eine neue, hinterlüftete Dachebene hergestellt. Sie besteht aus egalisierenden, deshalb unterschiedlich dicken Konterlatten, aussteifenden Unterzügen und 35 mm dicker Fichtenschalung mit Holzschutz.
Klosters Rumbeck. Die Neudeckung des Kirchendaches wurde gemäß Befund des Altdaches wieder mit westfälischem Schiefer in Altdeutscher Doppeldeckung ausgeführt.
Ein neuer Glockenturm wurde am Erdboden abgebunden und an der bisherigen Stelle des Daches auf einer neu erstellten Holz- und Stahlkonstruktion aufgestellt. Die der Belüftung des Dachraumes und dem Ausstieg auf die Dachfläche dienenden Sattelgauben wurden nach Befund der vorherigen gezimmert. Sie haben eine Holzluke mit Lüftungsöffnung und Gitter. Die neu geschalten Dachflächen erhielten eine Vordeckung aus Bitumendachbahnen. Die neue Dachdeckung wurde wieder mit westfälischem Schiefer in Altdeutscher Doppeldeckung ausgeführt. Diese Deckart war im Sauerland einst obligatorisch und entspricht auch dem Befund der Altdeckung.

Bei der Altdeutschen Doppeldeckung werden relativ große (hohe) Decksteine verwendet und diese in den Gebinden mehr als die Hälfte ihrer Höhe überdeckt. Das ergibt eine funktionssichere und stabile Deckung. Die bei der Altdeutschen Doppeldeckung verwendeten Decksteine sind aber nicht nur groß, sondern werden auch in einer der Doppeldeckung gemäßen Rückenführung zugerichtet. Der Decksteinrücken verläuft oberhalb der Sichtfläche nicht ausholend bogenförmig sondern relativ steil und fast gerade. Das hat den Vorteil, dass sich im nächsten Deckgebinde die Decksteine mit Brust und Spitze schlüssig an den jeweils darunter befindlichen Steinrücken anschmiegen und die Fußlinien der Deckgebinde geschlossen sind. Das Deckungsbild der Altdeutschen Doppeldeckung ist sehr lebhaft, da die in den Gebinden deckenden Decksteine unterschiedlich breit sind und die Höhe der Deckgebinde von der Traufe zum First hin kontinuierlich abnimmt.

Die Totalsanierung des Kirchendaches dauerte fast achtzehn Monate.
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