Geschweifte Gauben (3)

Geschweifte Gaube mit einem vom Normalfall abweichenden gewölbten Gaubendach. Ausführung: Böddicker Bedachungen, Brilon-Scharfenberg
Geschweifte Schleppgauben haben im Normalfall ein ebenes Gaubenschleppdach. Ist das Gaubenschleppdach gewölbt, ist die geschweifte Schleppgaube eine Sonderkonstruktion mit erhöhtem Ausführungsaufwand und Funktionsrisiko.
Es gibt mehrere Möglichkeiten der Ausführung. Hier als Beispiel die Arbeitsschritte bei Rechtsdeckung des Daches und Ausbildung des Gaubenscheitels mit Anschlussblechen.
Zuerst werden Hauptdachfläche und eingehende Wangenkehle rechts der Gaube bis zur Höhe der Dachbruchlinie gedeckt. Die einerseits auf einem Wasserstein, andererseits auf einem Einfäller angesetzten Kehlgebinde werden mit mindestens sieben Kehlsteine so weit ausgedeckt, dass der letzte Kehlstein der Kehlgebinde plan auf der Wangenfläche aufliegt. Die Kehlsteine haben meistens einen runden Bruch.

Die Scheitellinie des Gaubendaches ist mit Anschlussblechen ausgebildet.
Anschließend wird die vom Stirnrahmen zum Dachknick verlaufende Scheitellinie des Gaubendaches per Schnurschlag abgetragen. Die Scheitellinie unterteilt das Gaubendach in eine rechte Hälfte für Rechtsdeckung und eine linke Hälfte für Linksdeckung.
Die Gaubendachfläche wird beiderseits der Scheitellinie von oben nach unten in Deckgebindehöhen eingeteilt und die Fußlinie der Deckgebinde exakt abgeschnürt. Es ist darauf zu achten, dass die Höchstgebindesteigung nicht überschritten wird. Höhere Decksteine am Deckgebindeanfang sowie in Richtung Kehle konisch verlaufende Deckgebinde sind gegensteuernde Maßnahmen.
Längs der Scheitellinie kann die Deckung unterschiedlich ausgebildet werden. Im Beispiel wurde ein Deckgebindeanfang auf Anschlussblechen gewählt.

Die Gaube ist beiderseits eingehend angekehlt. Die Deckgebinde der Gaubenwangen sind mit Schwärmern an die Kehlgebinde angeschlossen.
Die aus Kupferblech zugeschnittenen Anschlussbleche liegen axial auf der Schnürung der Scheitellinie. Die Bleche sind so breit zugeschnitten, dass sie an jeder Seite mindestens 12 cm überdeckt werden. Die Anschlussbleche haben keine Wasserfalze, sondern glatte, das Wasser ableitende Schnittkanten. Die Länge der Anschlussbleche muss wegen der geringen Neigung des Gaubendaches besonders reichlich bemessen werden. Die Bleche werden nur am Kopf genagelt. Beim Eindecken der Anschlussbleche dürfen diese über dem Kopf des darunter liegenden Anfangortsteins nicht abknicken und eine rinnenartige Vertiefung bilden.
Die Deckung des Gaubendaches beginnt jeweils am unteren Ende des Stirnrahmens, bei fortgeschrittener Arbeit an der geschnürten Scheitellinie.
In der Scheitellinie wird auf jedem Anschlussblech ein rechtes und ein linkes Deckgebinde von gleicher Gebindehöhe angesetzt.

Die Gaube ist beiderseits eingehend angekehlt. Die Deckgebinde der Gaubenwangen sind mit Schwärmern an die Kehlgebinde angeschlossen.
Die Fußlinien beider Deckgebinde müssen in der Mitte des Anschlussbleches im Abstand einer Stoßfuge zusammentreffen. Geringfügige Abweichungen der Gebindelinien vom gemeinsamen Treffpunkt können durch dementsprechende Länge der Anschlussbleche ausgeglichen werden. Die Rücken der lang gestreckten, gut abgerundeten Anfangortgebinde leiten das Wasser von der Stoßfuge auf die Gaubendachfläche.
Die Deckgebinde enden vor dem letzten Kehlstein der Kehlgebinde und werden mit diesen durch einen oder mehrere Schwärmer verbunden. Die Schwärmer haben die Funktion eines Schlusssteins.

Skizze
Beim Ausdecken der Deckgebinde über die Wangenwölbung hinweg zur Kehle, sind Vorsicht und Sorgfalt geboten. In diesem Bereich wird die Seitenüberdeckung der Decksteine durch die ungünstige Richtung des Wasserlaufes zum Gefälletiefspunkt oder durch Treibregen stark belastet. Die gesägte oder von oben behauene Brust der Decksteine darf keine Unregelmäßigkeiten oder Absplitterungen und keine Nagellöcher unterhalb der Höhenüberdeckung aufweisen.
Die rechten und linken Deckgebinde des Gaubendaches können statt von Anschlussblechen, auch von Wassersteinen aus gedeckt werden. Die Wassersteine liegen auf der geschnürten Scheitellinie. Sie haben die Form eines Gebindesteins, werden ebenso zugerichtet und funktionieren auch so. Beide Seitenkanten der Gebindesteine müssen scharfkantig von oben behauen werden; sie dürfen keinerlei Kerben oder Aussplitterungen und keine Nagellöcher unterhalb der Höhenüberdeckung aufweisen. Die Gebindesteine müssen so zugerichtet werden, dass bei sicherer Seitenüberdeckung ein Rückenschluss der Decksteine erreicht wird.