Fassade / Althaussanierung

Umbau und Anbau mit Schiefer

Umbau und Erweiterung eines Althauses von 1823 zu einem hoteleigenen Gästehaus.
Am Ortsrand von Schmallenberg-Oberkirchen, nahe der kleinen Lennebrücke, wurde 2005 ein im Jahre 1823 entstandenes Althaus zu hoteleigenen Ferienwohnungen umgebaut. Die Baumaßnahmen umfassten den Teilabriss und Umbau des Althauses sowie die Angliederung eines Neubaues mit 1-geschossigem Seitenflügel. Die Außenwände des Althauses bestehen aus Eichenfachwerk mit Lehmziegelausfachung. Das Haus hatte eine Schieferfassade aus westfälischem Schiefer, der wegen der 2005 durchgeführten Umbauarbeiten abgetragen werden musste.

Der Neubau ist ein Massivbau aus Ziegelmauerwerk mit Fassaden aus Sichtfachwerk oder Schiefer. Die Außenwände sind raumseitig geputzt. Der fugenlose Innenputz funktioniert bauphysikalisch als Luftsperre; sie verhindert Wärmeverlust und Tauwasserbildung im Wandquerschnitt durch Luftströmung. Außerdem ermöglicht der Innenputz eine Rückdiffusion von Wasserdampf sowie einen kapillaren Feuchtigkeitstransport nach innen. Die Unterkonstruktion der neuen Schieferfassaden besteht aus vertikal angeordneten Grundhölzern, die mit bauaufsichtlich zugelassenen Verankerungselementen aus einer Dübel-Schrauben- Kombination am Mauerwerk verankert sind. Zwischen den Kanthölzern ist die Wärmedämmung aus Mineralfaserdämmstoff press eingebaut und mit Dämmstoffhaltern am Wandbaustoff befestigt.
Schieferbekleidung der Giebelfläche.
Auf den Grundhölzern ist die Holzschalung und auf dieser eine Vordeckung aus diffusionsoffenen Schalungsbahnen, Sd 0,02 m, befestigt.

Dem Althaus entsprechend, wurde bauseits auch bei den neuen Schieferfassaden auf eine aktive Luftschicht zwischen Wärmedammung und Holzschalung verzichtet. Ein Tauwasserausfall im Wandquerschnitt wird nicht erwartet. Der stark gedämmte Wandaufbau ist raumseitig luftdicht und außenseitig diffusionsoffen. Ein Feuchtetransport nach außen wird durch die lüftungsidentischen Überdeckungsfugen der kleinformatigen Schiefer unterstützt.

Die Schieferfassaden wurden von der Firma Albers Bedachungen, Schmallenberg-Westfeld, nach Befund der Althausfassaden ausgeführt. Das Ergebnis ist eine rythmische Gliederung der Wandflächen mit Schieferformaten, die auf westfälischen Schiefergruben schon immer als „Wandschiefer“ gehandelt wurden.
Fensteranschluss mittels aufgelegter Ortsteine.
Hier wurden folgende Formate verwendet:
  • Decksteine, Zweiunddreißigstel, rechts und links
  • Rechtecke mit Rundschnitt (Coquettes) 16 x 10 cm und 20 x 16 cm
  • Achtecke (Octogones) 22 x 13 cm
  • Waben 20 x 20 cm
  • Fischschuppen 20 x 16 cm.
Die Gliederung der Schieferfassaden erfolgte nach Maßgabe der jeweiligen Wandgeometrie und Fensterpositionen dergestalt, dass zwischen und neben den Fenstern optisch geschlossene Deckungsbilder aus jeweils einem Schablonenformat erreicht wurden. Die Fassadenfelder sind vertikal durch niedrige Decksteingebinde sowie seitlich durch aufgelegte Orte eingefasst.
Außenwände mit Sichtfachwerk und Schieferfassade.
Die exakte Orientierung der Fassadenfelder erforderte eine vorherige senkrechte Einteilung der Außenwände in Gebindehöhen nach Maßgabe der Fensterpositionen und der für das jeweilige Schablonenformat relevanten Höhenüberdeckung. Ins Auge springende Toleranzen konnten, durch variable Gebindehöhen, ausgeglichen werden. Die seitliche Begrenzung der Schieferfassade an Wandecken, vor- oder rückspringenden Bauteilen und an den mit Schablonen gedeckten Wandfeldern erfolgte durch aufgelegte Orte aus Strackortsteinen mit geradem, schräg ansteigendem Rückenhieb. Die Wandecken wurden mit seitlichem Überstand der Ortdeckung ausgeführt. Dank der unterschiedlichen Schieferschablonen und der niedrigen Gebindehöhen wurde ein formal ansprechendes, lebhaft konturiertes Deckungsbild erzielt, das zur weiteren Belebung keiner modernen Ornamentik bedurfte. Die in regionalspezifischer Fassadenarchitektur und nach Althausbefund ausgeführten Schieferfassaden entsprechen konsequent der nachstehend zitierten Fachregel des Dachdeckerhandwerks: Zitat: „Bereits bei der Planung sollten durch die Wahl von
  • Deckungsart
  • Format
  • Farbe,
auch in verschiedenen Kombinationen, optische Belange berücksichtigt werden, die den Charakter eines Gebäudes prägen können und den Stil des Gebäudes unterstützen oder hervorheben.“
Die neuen Schieferfassaden entsprechen regionalen Gestaltungskriterien und dem Althausbefund.
Am Gästehaus verwendete Schieferformate.
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Schiefergruben
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