Rechteckdeckung für den Artländer Dom
Sanierungen

Die inmitten der Ortschaft erhöht stehende Kirche nach der Dachsanierung.
Die Einheitsgemeinde Ankum liegt in Niedersachsen, nordwestlich der Stadt Osnabrück, inmitten einer waldreichen Hügellandschaft des Naturparks Teutoburger Wald-Wiehengebirge.
Ein markantes Gebäude in dem siebentausend Einwohner zählenden Ankum ist die Pfarrkirche St. Nikolaus mit ihrem fast achtzig Meter hohen Kirchturm. Ursprung dieser Kirche ist eine altsächsische Taufkirche oder Gaukirche, die Karl der Große während der Christianisierung des Landes in Ankum errichten ließ. In den Wirren der Zeit war diese Kirche zeitweilig eine schützende Kirchenburg. Die später aus dieser ersten Ankumer Kirche hervorgegangene Pfarrkirche wurde 1892 durch einen Totalbrand zerstört. Auf den Grundmauern entstand schließlich um 1900 in einem neuromanischen Stil die heutige Pfarrkirche, der Artländer Dom.
Der heutige Kirchenbau hatte vermutlich schon früh ein Schieferdach. Grund zu der Annahme lieferte die vor der Sanierung des Kirchendaches auf einer Dachfläche noch vorhandene Altdeckung aus Literaschablonen mit Innenverstrich der Lang- und Querfugen. Diese Maßnahme gegen Treibschnee und hohe Schlagregenbelastung ist auf alten Schieferdächern, für die noch keine Vordeckbahnen zur Verfügung standen, oft nachzuweisen.
Im Jahre 2008 wurde das Kirchendach größtenteils neu gedeckt. Einzelne Dachflächen, die noch in einem guten Zustand waren, konnten durch eine Reparatur von der Neudeckung ausgeschlossen werden. Auf den übrigen Dachflächen wurde die Altdeckung abgerissen, die Dachschalung gereinigt und alle Bretter mechanisch befestigt. Die Dachschalung erhielt eine Vordeckung aus lose überlappenden, wasserdampfdurchlässigen Schalungsbahnen.

Geometrie und Klammerbefestigung der Rechteckdoppeldeckung.
Das Kirchendach hatte bisher einen belüfteten Dachraum. Auf dessen Altschalung wurde vor der Neudeckung eine zweite hinterlüftete Schalungsebene aufgedoppelt. Zur Ausbildung der aktiven Luftschicht wurden Konterlatten 4 x 8 cm in Gefällerichtung auf den Sparren befestigt. Die Unterkonstruktion der Schieferdeckung wurde mit Dachlatten 4 x 6 cm hergestellt.
Durch die Aufdoppelung der hinterlüfteten äußeren Dachschale änderte sich zwangsläufig auch die Höhe des Dachaufbaus. Davon betroffen war besonders die vorhandene belüftete Traufenkonstruktion. Durch eine neue Dachrinne mit durchgehender Spaltlüftung für die Hinterlüftung der äußeren Dachschale wurde den bauphysikalischen und bautechnischen Anforderungen entsprochen (siehe Foto). Am First wurden in jedem Sparrenfeld Öffnungen in den Dachaufbau eingeschnitten und Lüfter aus Kupferblech in die Dachdeckung eingebaut.

Alter Traufknoten mit neuer Dachrinne und Spaltlüftung.
Bei der Planung der Dachsanierung wurde zugunsten einer Rechteckdoppeldeckung mit Fredeburger Schiefer ® entschieden. Gewählt wurde die Steingröße 50 x 25 cm, die bei einer Höhenüberdeckung von 8 cm eine Gebindehöhe von 21 cm ergab. Die Rechteckschiefer wurden mit je einem Klammerhaken aus geschwärztem Edelstahl an der Dachlattung befestigt. Eine Hakenbefestigung hat den Vorteil, dass die Deckung in sich beweglich ist. Geklammerte Schiefer widerstehen den bei Bewegungen der Unterkonstruktion auftretenden Biegespannungen besser als genagelte, kraftschlüssig mit der Unterkonstruktion verbundene Schiefer. Eine mit Haken befestigte Rechteckdoppeldeckung ist weitgehend sturmsicher, da Kopf und Fuß der Schiefer von je einem Haken niedergehalten werden.

Nockenkehle mit Schichtstücken aus Kupferblech.
Da bei diesem Dach die Dachflächen gleiche Neigung haben, konnten die Hauptkehlen als Nockenkehle mit Schichtstücken (Nocken) gedeckt werden. Jedes über der geometrischen Kehllinie im Abstand einer Fuge für ungehinderten Wasserablauf zusammentreffende Gebindepaar wurde mit einer Nocke überdeckt. Die Nocken haben seitlich keinen Wasserfalz sondern kerbenfrei geschnittene Längskanten. Die Schichtstücke sind nur am. Kopf mit zwei nichtrostenden Breitkopfstiften befestigt.

Glockenturm mit Wandbeschieferung und Bekleidung der Gesims-profile mit Kupferblech.
Über der Gebäudevierung erhebt sich ein Glockenturm mit einer aus Rechteckschiefern 20 x 40 cm hergestellten äußeren Wandbekleidung. Bei der Dachsanierung wurden die aus Eichenholz profilierten Gesimsprofile mit Kupferblech architekturwirksam bekleidet.