Schuppendeckung

Architektur des Einfachen

Wohnhaus im Hochsauerlandkreis mit Schuppendeckung.
Oft weckt Dacharchitektur den Eindruck, weniger wäre mehr gewesen. Nicht bei diesem Dach. Hier dominieren allein Geometrie und Ausgewogenheit der Flächen, konturiert durch eine maßstäblich angepasste Schieferdeckung. Moderne Architektur und Schuppendeckung sind kompatibel.

Das schöne Haus steht im Hochsauerlandkreis, oberhalb der Stadt Meschede. Architektur des Einfachen, Verzicht auf Unwesentliches, prägen den Stil des Hauses. Auch das Dach verrät die Kunst des Weglassens, zeigt klare Linien als Ergebnis einer zweckmäßigen Konstruktion. Das Haus hat ein Schieferdach aus westfälischem Schiefer.
Eine Schuppendeckung ist der Altdeutschen Deckung ähnlich. Hier haben die Schuppen die Größe 30 x 25 cm.
Bei der Planung konnten Architekt und Bauherr zwischen unterschiedlich konturierten Deckungsarten wählen. Regional bevorzugt werden schuppenförmige Deckungen. Wird ein besonders lebhaftes, individuell konturiertes Schieferdach gewünscht, kommt die aus unterschiedlich großen Schiefern gefügte Altdeutsche Deckung in Betracht. Schätzt man ein geometrisch gerastertes Deckungsbild, ist eine Schuppendeckung die richtige Wahl.



Gratdeckung mit Anfangortgebinden.
Schuppen sind Decksteine von gleicher Größe

Die Schuppe hat die gleichen Konstruktionsparameter wie ein Deckstein im normalen Hieb für Altdeutsche Deckung. Folglich haben Schuppe und Deckstein das gleiche Format und bei gleicher Höhe dieselbe Abmessung der Seitenüberdeckung. Diese besteht aus der formatbedingten Überdeckung von 29 % der Schuppenhöhe und dem in den Fachregeln geforderten Fersenversatz. Alle auf einer Dachfläche deckenden Schuppen haben dieselbe Größe, alle Deckgebinde die gleiche Höhe.

Das einförmige Gefüge einer Schuppendeckung könnte zu der Annahme verleiten, die Anwendungstechnik und Handhabung der Schuppen seien problemlos. Das ist nur bedingt richtig, denn ein Schieferdach besteht nicht nur aus Flächen, sondern auch aus Dachdetails, in deren Umfeld die Schiefer von Hand individuell zugerichtet und nach bestehenden Fachregeln gefügt werden müssen. Dies alles unter Berücksichtigung der zurichtungsbedingten Maßtoleranzen und des Fersenversatzes.
Gratdeckung mit gestaffeltem Doppelort.
Maßgenaue Anwendungstechnik

Das formatbedingte Verlegeraster darf im Bereich von Dachdurchdringungen oder Dachverschneidungen nicht großzügig oder leichtfertig variiert werden. Im Umfeld zurichtungsbedürftiger Dachdetails, bei denen Schuppen neu angesetzt und in den Schuppenverband eingeschleust werden müssen, ist vorausschauende Einteilung der Deckgebindehöhen und Deckbreiten sowie exakte Schnürung der Deckgebindelinien unverzichtbar. Die Fußgebinde müssen entsprechend der Fußlänge einer Schuppe eingeteilt und die Schuppen daraufhin maßgenau angesetzt werden. Es ist zu bedenken, dass ein aus dem Raster geratener Schuppenverband sofort auffällt und im laufenden Arbeitsgang oft nur schwierig korrigiert werden kann. Schließlich ist während der Verlegung zu beachten, dass die gewünschte Gleichmäßigkeit einer Schuppendeckung auch durch sorgfältige Handhabung der Steindicken angestrebt werden muss.
Schornsteinkopf mit eingehenden Wangenkehlen.
Details wie bei Altdeutscher Deckung

Im Bereich der Dachdetails ist eine Schuppendeckung der Altdeutschen Deckung ähnlich. Um der gewünschten Optik entsprechen zu können, mussten hier etwa 2,5 t Rohschiefer verarbeitet werden.

Die Gratdeckung war wegen der stark beilaufenden Gratsparren schwierig. Die mit Doppelortsteinen gedeckten Endorte mussten meistens über mehrere Deckgebinde gestaffelt werden, damit auch im Bereich der jeweils kurzen Ortsteine eine maßstäblich ansprechende Gratdeckung möglich war. Bei den Anfangorten wurde ein schönes Deckungsbild durch lang gestreckte Anfangortgebinde mit rundem Rückenhieb erreicht. Dank der in mehrfacher Deckbreite der Schuppen vorgezogenen Anfangortgebinde konnten auch bei überstehender Gratdeckung die Stichsteine solide befestigt werden.

Übrigens: Nicht nur für die Dachdeckung wurde Schiefer verwendet, sondern auch für Plattenbeläge im Innen- und Außenbereich.
Fachtechnik zur Schuppendeckung.
A Die Steinhöhe wird rechtwinklig zum Fuß, die Steinbreite in halber Höhe der Schuppe gemessen.

B Brust- und Rückenwinkel bestimmen das Format der Schuppe. Die formatbedingte Seitenüberdeckung und die Mindesthöhenüberdeckung betragen 29 % der Steinhöhe.

C Schuppe der Handelsgröße 35 x 25 cm.

Mehr zur Schuppendeckung in "Fachregeln für Dachdeckungen mit Schiefer".
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