Literatur

Das Schieferdach ist der Blickpunkt (01.03.2001)

Der Dachdeckermeister (Kleffmann Verlag)
Die 40.000 Einwohner zählende Kreisstadt Pinneberg liegt nördlich von Hamburg, nicht weit vom Flughafen Fuhlsbüttel und der Elbe entfernt. Im Norden der Stadt erstreckt sich ein ausgedehntes Wohngebiet aus großzügig zugeschnittenen, teils park- und waldartigen Grundstücken. Auf einer dieser Parzellen wurde 1999 ein für gehobene Ansprüche konzipiertes Wohnhaus mit einem Schieferdach aus MaSpana-Schiefer fertig gestellt.
Das Schieferdach ist der Blickpunkt (01.03.2001)
Das Schieferdach ist der Blickpunkt (01.03.2001)

Das ausgebaute Dach ist durch mehrere geschweifte Schleppgauben mit wohngerechter Fensterhöhe besetzt. Solche Gauben sind ein Synonym norddeutscher Reetdacharchitektur und auch dieser hervorgegangen. Die Grundkonstruktion gleicht der einer herkömmlichen Schleppgaube. Hier besteht der Unterschied zur Schleppgaube darin, dass die um etwa 30° aus dem Lot geneigten Wangenflächen nur am Übergang zum Schleppdach abgerundet und bei den Gauben mit Einzelfenstern die äußeren Sparren nach innen eingezogen sind.


Konstruktionsbedingte Ausführungsvarianten
Die enge Abrundung am Übergang zur Schleppdachfläche stellte kein Ausführungsvarianten zur Wahl. Die Wangenkehlen wurden eingehend gedeckt, wobei die Kehlgebinde einerseits der Gaube auf einem Einfäller und andererseits auf einem Wasserstein angesetzt wurden. Die Kehlgebinde wurden an den Wangen hochgeführt und von einem parallel zur Schleppdachneigung verlaufenden Firstgebinde aus Schuppen 22 x 17 cm überdeckt. Der letzte Firststein ist als Einfäller ausgebildet und nachgesetzt. Die Firstgebinde der Wangenflächen und das Kragengebinde werden von den seitlich vorkragenden Anfang- oder Endortgebinden des Schleppdaches überdeckt. Am Dachknick sind die Deckgebinde des Gaubendaches ausgespitzt und die Gebinde des Hauptdaches auf die Ausspitzgebinde eingespitzt.

Ein wichtiges Detail der Gaubenkonstruktion ist die Höhe des Gaubenfenster-Brüstungsriegels über Oberkante Dachschalung. Ist die Anschlusshöhe zu knapp gemessen, ist vor dem Brüstungsriegel die Ausbildung eines schlagregensicheren Anschluss problematisch. Bei der Planung der Dachkonstruktion oder dem Abbund der Gaube ist zu bedenken, dass die vor dem Brüstungsriegel zu deckenden Firstgebinde je nach Dachneigung mehrere Zentimeter auftragen und die Anschlusshöhe (Aufkantung) der traufseitigen Anschlussbleche gemäß Regeln für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk, Tabelle 9 bei Dachneigung ?22° 80 mm betragen muss.

Bei den hier gegenständlichen Gauben wurde der Anschluss an den Brüstenriegel und die Stirnflächen mit mehrmals gekanteten, auf dem Firstgebinde aufliegenden Anschlussblechen aus Kupfer schlagregensicher hergestellt. Die Anschlussbleche haben, wie in besagten Fachregeln, Ziffer 5.2.1. (2) für Verlegung auf ebenen Dachwerkstoffen vorgegeben, einen aussteifenden Umschlag.Die Gaubenstirnflächen und die Untersicht des Gaubenüberstandes sind mit Nut- und Feder-Brettern geschalt und durch weißen Anstrich den ebenfalls weißen Fassaden angepasst. Die Zierschalung der Gaubenstirnflächen ist hinterlüftet. Schwieriger als die Eindeckung der Gauben was die Ausbildung der durch die Verschachtelung steiler, flachgeneigter und kegelförmiger Flächen sowie Dachdurchdringungen gebildeten Dachknotenpunkte. Bei den in den Wasserlauf der Hauptkehlen hineinragenden Stirnrahmen oder Dachwohnraumfenstern war zu beachten, dass diese Laub oder Schnee festhalten können und dadurch einen zügigen Wasserablauf behindern. Derart kritische Dachknotenpunkte mussten notgedrungen durch zusätzliche Maßnahmen wie z.B. verdeckt eingebaute Bleche oder Kunststoffbahnen rücksicher ausgebildet werden. Die Hauptkehlen wurden der jeweiligen Dachgeometrie entsprechend als rechte oder linke Kehle gedeckt und mit Schwärmern oder Kehlübergangssteinen in gewohnter Ausführung eingebunden. Die Gauben und Schornsteinköpfe wurden eingehend angekehlt. Längs der Grate und Ortkanten mussten insgesamt 273 m Anfang- oder Endorte gedeckt werden. An rechtwinkligen Dachkanten wurden die Endorte mit Doppelortsteinen gedeckt und diese am Grat, der beilaufenden Gratlinie entsprechend, über zwei oder mehrere Deckgebinde gestaffelt. Die Steine der Anfangsortgebinde erhielten einen runden Rückenhieb. Anschließend sei erwähnt, dass für die Vordeckung diffusionsoffene Bahnen verwendet wurden, da eine kontinuierliche Dachlüftung infolge der stark verschachtelten Dachflächen und somit beeinträchtigen Lüftungswege nicht gewährleistet werden konnte. Die diffusionsoffenen Bahnen Erlauben einen Feuchtigkeitsdurchgang von innen nach außen und ein Trocken der eingebauten Dachschalung und Holzbauteile.


Fazit:
Der vorstehende Bericht beschreibt die Detaillierung der Dachdeckung eines am Ortsrand der norddeutschen Stadt Pinneberg erstellten Wohnhausdaches. Das Haus hat ein Schieferdach in Schuppendeckung aus spanischem Schiefer, dessen schöne blaugraue Farbe von der weißen Fassade kontrastreich abhebt. Tüchtige Dachdecker eines fast ausschließlich mit Schieferarbeiten aller Art befassten Dachdeckungsbetriebes deckten das mit vielen, stellenweise kritischen Konstruktionsknoten gespickte Dach.

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