Dachsanierung mit Schiefer

Unterschiedliche Komponenten zur Dachsanierung hatte Dachdeckermeister Frank Clemens bei seinem eigenen Wohnhaus zu kombinieren. Dabei waren die Aufsparrendämmung, eine integrierte PV-Anlage und die Schieferdeckung nicht nur fachgerecht auszuführen und miteinander zu verbinden, gleichzeitig musste auch auf die gestalterische Wirkung geachtet werden.

Das 1951 errichtete Wohnhaus an seinem Heimatort Olpe im Sauerland hatte Dachdeckermeister Frank Clemens im Jahre 2011 erworben. Das Dach entsprach nicht mehr den heutigen Anforderungen an eine optimale energetische Auslegung. Sein Ziel war es deshalb, das Dach durch eine komplette Sanierung energetisch aufzurüsten und gleichzeitig auf eine ästhetische Lösung zu achten, die seinen Ansprüchen gerecht wurde. Zur Energiereduzierung wählte er eine effiziente Aufsparrendämmung und moderne Dachflächenfenster. Für die Energiegewinnung setzte er eine integrierte Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage) ein. Und zur Deckung wählte er die Schieferschuppe, die in ihrem Deckbild nicht nur der alten Deckung entsprach sondern sich harmonisch in die Nachbarbebauung mit überwiegend schiefergedeckten Wohnhäusern integriert.

Die Sanierung in einzelnen Schritten

Oberhalb der Dachgauben war der Bodenraum ungenutzt, im unteren Bereich für wohnliche Zwecke eingerichtet. Die hier vorhandene Ausfachung zwischen den Sparren aus Bimsstein entsprach in keiner Weise den heutigen Anforderungen an den gesetzlich geforderten Wärmeschutz.

Die alte Schieferdeckung wurde abgetragen, die Schalung belassen. Darauf wurde das neue Dach aufgebaut. Zunächst wurde die Dampfbremsbahn Optidäm 2-SK von Magog verlegt. Sie besteht aus einem Polypropylen-Spinnvlies mit monolithischer Spezialmembran. Sie verhindert wirkungsvoll einen unkontrollierten Übergang von Wasserdampf in das Aufdach-Dämmsystem und sorgt gleichzeitig für die Luftdichtheit. Zwei integrierte Selbstklebestreifen erleichtern die Montage. Gleichzeitig dient sie als zeitlich befristete Behelfsdeckung. Die Freibewitterungszeit beträgt nach Herstellerangabe maximal vier Wochen.

Es folgte die Montage des Aufdach-Dämmsystems Optidäm AD aus Polyurethan (PUR/PIR), ebenfalls von Magog. Die Wärmeleitfähigkeit wird vom Hersteller mit 0,023 W/(m·K) angegeben. Bei 140 mm Dicke errechnet sich ein U-Wert von 0,16 W/m²·K. Die Dämmelemente sind umlaufend mit Nut und Feder ausgestattet, dieses ermöglicht eine fugenlose Verlegung und damit wärmebrückenfreie Konstruktion. Eine oberseitig aufkaschierte Unterdeckbahn der Klasse UDB-A sorgt für sofortige Regensicherheit. Nach DIN 4108-10 entsprechen die Dämmelemente dem Anwendungstyp DAD.

Die Befestigung der Konterlattung, 4/6 cm, durch Wärmedämmung und alter Schalung hindurch im Sparren, wurde mit verzinkten Spezialschrauben vorgenommen, die für diesen Anwendungsfall bauaufsichtlich zugelassen sind (Zulassungsnummer: 2-9.1-630). Durch ein Doppelgewinde können die Schrauben höhere Zug- und Druckkräfte aufnehmen. Ein Teil der Schrauben wird rechtwinklig, der andere unter einem Winkel von 60° verankert. Der Bemessungsservice des Herstellers legt die Länge der Schrauben fest und gibt in einer Planungshilfe die genaue Lage und ihre Anzahl vor (dieses entbindet den Bauherrn nicht von der Erstellung eines Standsicherheitsnachweises durch einen zugelassenen Tragwerksplaner).

Zur Aufnahme der Schieferdeckung wurde auf der Konterlattung eine getrocknete Schalung aufgebracht und mit der Unterdeckbahn Optiroll 2-SK (Magog) bedeckt. Sie besteht aus einem dreilagigen Polypropylen-Spinnvlies und ist nach ZVDH-Klassifizierung als UDB-A-Bahn eingestuft. Ihre Freibewitterungszeit wird mit drei Monaten angegeben. Auch bei ihr gewährleisten zwei Selbstklebestreifen eine schnelle Montage. Im Bereich der PV-Anlage wurde anstelle der Schalung eine Lattung eingebaut. Von großer Bedeutung ist eine funktionierende Unterlüftung, die dafür sorgt, dass die PV-Elemente nicht überhitzen können.

Schiefer in Schuppendeckung

Für die neue Schieferdeckung – in Anlehnung an die alte Ausführung – wählte Dachdeckermeister Clemens die Schuppendeckung. Im Gegensatz zur Altdeutschen Deckung werden bei der Schuppendeckung Schiefer in gleicher Höhe und Breite eingesetzt, im vorliegenden Fall im Format 28x23. Dabei ist die Höhe die senkrechte Entfernung zwischen Kopf und Fuß, die Breite die Entfernung zwischen Brust und Rücken in der Mitte der Höhe gemessen. Für das Wohnhaus in Olpe wurden Schuppenschablonen aus MaSpana-Schiefer der Schiefergruben Magog verwandt.

Für den Ortgang hatte sich Frank Clemens eine besondere Lösung ausgedacht. Seine Überlegung, den energetisch bedingten zusätzlichen Dachaufbau nicht sichtbar werden zu lassen, erzielte er mit einer 15 mm dicken Putzträger-Platte, die er als oberen Abschluss auf die geputzte Wandfläche aufsetzte und durch farbliche Anpassung so gestaltete, dass der Dachaufbau in seiner Optik dem ehemaligen, schlanken Aufbau entspricht. Auch die Dachgauben sollten den Ursprungszustand wiederspiegeln. Satteldach- und Wangenkehlen wurden mit Schiefer eingebunden gedeckt, die Stirnseiten mit weißen Holzschindeln bekleidet. Selbstverständlich wurden auch die Gauben mit entsprechender Wärmedämmung ausgeführt.

Für die auf 6,5 Kilowattpeak (kWp) ausgelegte PV-Anlage des Systems Sunroof (Roto) wurde ein Eindeckrahmen gewählt, der einen fachgerechten Anschluss der Schieferdeckung ermöglicht. Aufgrund sinkender Einspeisevergütung nach den neuen EEG-Vorschriften nutzt Frank Clemens den erzeugten Strom selbst und deckt damit circa 70 % seines Jahresbedarfs an elektrischer Energie. Zur Speicherung verwendet er Bleiakkumulatoren. Ist deren Speicherkapazität erreicht, wird der überschüssige Strom ans Netz abgegeben. Auch die hochdämmenden Dachflächenfenster (Roto) sind mit speziellen Eindeckrahmen versehen, sie ermöglichen einen problemlosen Einbau in Schieferdeckungen.

Traditionelles und Modernes miteinander verbunden

Durch sorgfältige Planung und handwerklich fachgerechte Ausführung ist es Dachdeckermeister Frank Clemens bei der Sanierung seines Wohnhausdaches gelungen, moderne Dachelemente mit traditionellen Deckwerkstoffen zu kombinieren. Einerseits wird der neue Dachaufbau den Ansprüchen an die gewünschte traditionelle Optik gerecht, andererseits entspricht er den neuesten Forderungen und Erkenntnissen einer energiegewinnenden und energiespeichernden Konstruktion. Damit hat Clemens bewiesen, dass sich Tradition und Moderne nicht gegenseitig ausschließen und sich gleichzeitig ein Referenzobjekt geschaffen, das Bauherren und Planer überzeugt.

Dachaufbau

oberhalb der Sparren/alten Schalung (von unten nach oben):
•    Dampfbremse/Luftdichtigkeitsschicht
•    PUR/PIR-Aufdachdämmung, 140 mm
•    Konterlattung, 4/6 cm
•    Schalung, 2,4 cm (getrocknet)
•    Unterdeckbahn
•    Schuppenschablonen, 28 x 23 cm

Das ganze Dach in einer Hand

Anfang 1997 übernahm Frank Clemens von seinem Vater, Dachdeckermeister Josef Clemens, das 1957 gegründete Bedachungsunternehmen. Nach seiner Meisterprüfung in Eslohe (1987) ließ er sich zum Betriebswirt im Dachdeckerhandwerk (1992) ausbilden. Es folgte der Lehrgang Fachkraft für den äußeren Blitzschutz (2000) sowie die Ausbildung zum Manager im Dachdeckerhandwerk (2008/09) an der Bundesfachschule in Mayen. Seit 2003 steht er der Dachdeckerinnung Olpe als Obermeister vor. Heute beschäftigt das Unternehmen zehn Mitarbeiter. Die Arbeiten beschränken sich nicht nur auf rein handwerkliche Tätigkeiten. Das Aufgabenfeld beginnt bereits bei der Planung, ganz nach dem Motto: Das ganze Dach in einer Hand. Damit kommt Frank Clemens dem Interesse seiner Kunden sehr entgegen.

Der Einstieg bereits in der Planungsphase ist mit zusätzlichem Zeitaufwand verbunden. Warum praktizieren Sie dieses?

Clemens: So kann ich frühzeitig auf Fehler, insbesondere bauphysikalischer Art, wie sie sich grundsätzlich oder im Zusammenspiel mit angrenzenden Gewerken ergeben können, hinweisen. Gerade Planer schätzen diese Fachkompetenz, woraus sich häufig Folgeaufträge ergeben.

Mit der energetischen Aufrüstung und der ästhetischen Aufwertung haben Sie ihre eigenen Vorstellungen realisiert und sich gleichzeitig ein hervorragendes Referenzobjekt geschaffen. Was war ausschlaggebend?

Beides! Einerseits wollte ich mir für mein eigenes Wohnhaus ein schönes Dach gestalten, das sich in die Nachbarbebauung harmonisch integriert. Dabei war es mir ein persönliches Anliegen, Lösungen zu verwirklichen, die durch Energieeinsparung mittels Dämmung und Energieerzeugung durch eine PV-Anlage einen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten. Andererseits kann ich jetzt vielen Bauherren und Planern am realen Objekt überzeugend demonstrieren, was technisch machbar und gestalterisch möglich ist – das überzeugt!

Wie wird sich Ihrer Meinung nach der Markt für energetische Arbeiten bei Neubauten und im Sanierungsbereich in den kommenden Jahren entwickeln? Kann das Dachdeckerhandwerk daran partizipieren?

Die ehrgeizigen Ziele der Regierung zur CO2-Reduktion lassen sich nur erreichen, wenn eine deutliche Energieeinsparung auch im Bestand der Altbausubstanz realisiert wird; dieses ist eine politische Aufgabe. Durch die Kürzung der Fördergelder für Solaranlagen geht der Trend verstärkt zur Eigennutzung. Hier wünsche ich mir Entwicklungen von noch effektiver arbeitenden Speicherkapazitäten. Durch eine dezentrale Energieerzeugung ließen sich lange Stromtrassen auf ein Minimum reduzieren. Ebenfalls steigt hier der Beratungsbedarf und Aufwand. Unter diesen Voraussetzungen ergeben sich für das Dachdeckerhandwerk gute Marktchancen. Die Kompetenz liegt ausführungstechnisch und auch unter dem Aspekt der Sicherheit für Arbeiten an und auf Dächern eindeutig beim Dachdecker – dieses sollten, ja müssen wir nutzen.

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