Hier spielt die Musik: Schieferfassaden für Konzerthaus der Detmolder Hochschule für Musik

Die Detmolder Hochschule für Musik liegt in fußläufiger Entfernung zum Zentrum der Altstadt, in einem großen palaisartigen Garten mit altem Baumbestand und landschaftsgärtnerischen Anlagen. An dieser Hochschule studieren Studenten, außer Musikwissenschaft und Musikpädagogik, ein breites Spektrum an Musik wie Gesang, Kirchenmusik, Komposition oder Orchester.

In dem weitläufigen Ambiente entstand vor vierzig Jahren eine neue Aula, ein Konzerthaus für Chor und Orchester, das sechshundert Leuten Platz bot. Nach 2007 wurde das Gebäude total saniert, entkernt und akustisch modernisiert. Das Konzerthaus erhielt eine neue Schieferfassade, eine Vollklimatisierung und eine komplett neue Tonmeistertechnik. Heute bietet das Konzerthaus einen weltweit einzigartigen Raumklang.

Das gestalterische Konzept des seinerzeit vom BDA Ostwestfalen mit dem „Architekturpreis 1969“ ausgezeichneten Konzerthauses wurde durch die sensibel durchgeführten Sanierungsmaßnahmen nicht verändert.

Die Außenwände

Das Konzerthaus hat tragende Außenwände aus 200 mm dickem Stahlbeton und an deren Außenseite 80 mm dicke Porenbetonplatten. Das Gebäude hatte bereits ursprünglich eine hinterlüftete Schieferfassade, allerdings mit einer nach heutigen Kriterien nicht energieeffizienten Wärmedämmung. Dies war ein wichtiger Grund für den Rückbau der vorhandenen Schieferfassade und Neubau einer vorgehängten hinterlüfteten Außenwandbekleidung (VHF) mit optimierter Wärmedämmung und Schiefer auf Holzunterkonstruktion. Die Erneuerung der Schieferfassaden ist Bestandteil des Energiekonzeptes. Durch die Investition in eine energieeffiziente Wärmedämmung konnte die Energiebilanz des Gebäudes erheblich verbessert werden.

Das jetzige Fassadensystem besteht aus 165 mm vorkragenden Alu-Wandhaltern. Diese sind im waagerechten Abstand von 700 mm mit bauaufsichtlich zugelassenen Langschaftdübeln und Sechskantschrauben im Stahlbeton verankert. An den Wandhaltern sind vertikale Grundlatten 4 x 6 cm mit Spax-S-Rückwandschrauben befestigt. Die Grundlatten tragen eine mit diffusionsoffenen Schalungsbahnen vorgedeckte Schalung aus trockenen, 24 mm dicken Rauspundbrettern. Zwischen der Grundlattung ist eine insgesamt 120 mm dicke Mineralfaserdämmung zweilagig verlegt und mit Tellerdübeln befestigt.

Die Schieferfassaden?Die imposante Architektur des monolithischen Kubus wird durch die mit Fredeburger Schiefer® in Altdeutscher Deckung bekleideten Außenwände bestimmt. Dominant sind die 8 m langen Schieferkehlen der mehrfach gefalteten Westseite. Bei den Einfällerkehlen decken am Anfang der Kehlgebinde decksteinähnliche Einfäller, am Ende der Kehlgebinde kehlsteinähnliche Kehlübergangsteine. Die Schiefergebinde laufen zwanglos durch die Kehlen und verhindern so eine optische Teilung der Schieferfassade in Einzelfelder.

Ansonsten beschränkt sich die Detaillierung der Schieferfassaden auf die Ausbildung der Randbereiche mit Ortgebinden. Diese sind in herkömmlicher Anwendungstechnik als eingebundene Anfang- und Endorte gedeckt. An den Gebäudeecken treffen die Ortgebinde auf mehrfach gekantete Eckprofile. Die großflächigen Schieferfassaden verdanken ihre Wirkung der kleinteiligen Altdeutschen Deckung aus Decksteinen in den für Schieferfassaden obligatorischen Gattungshöhen.

Außer am Sockel und First haben alle Decksteingebinde der jeweiligen Wandfläche die gleiche, der Hauptwindrichtung entsprechenden Deckrichtung. Die Flächenwirkung dieser Großfassaden ist imposant. Sie belegen, dass auch große, ausschließlich mit kleinen Decksteinen bekleidete Außenwände keines ornamentalen Beiwerks bedürfen. Eine Steigerung der Flächenwirkung wäre nur noch durch scharfen Hieb der Decksteine möglich; figürliche oder geometrische Ornamente würden den Blick auf das Wesentliche der Schieferarchitektur verstellen.

Fazit

Das bei diesem Gebäude nicht mehr effiziente Fassadensystem wurde abgebaut und durch eine vorgehängte hinterlüftete Außenwandbekleidung auf Aluminium-Unterkonstruktion ersetzt. Das System erlaubte den Einbau einer dem Energiekonzept des Gebäudes angemessenen Wärmedämmung. Die regensichere, architekturwirksame Außenwandbekleidung wurde mit Fredeburger Schiefer in Altdeutscher Deckart ausgeführt. Es wäre aber falsch, den gleichmäßig strukturierten Großfassaden eine optische Langeweile zuzuschreiben. Die unterschiedliche Größe der auf der einzelnen Fassadenfläche versammelten Decksteine, ihre spaltraue Oberfläche und das rustikale Naturell der Hiebkanten bewirken lebhafte Kontraste und Konturen. Nicht zu vergessen die natürliche, keineswegs monotone Farbe des Schiefers, die von früh bis spät durch den ständig wechselnden Einfallwinkel der Sonnenstrahlen nuanciert wird.

 

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