Geschweifte Gauben (2)

Geschweifte Schleppgaube mit eingehender
Ankehlung der Gaubenwangen, in einer Dachdeckung aus Schuppen 32/28 cm.
Geschweifte Gauben gibt es in mehreren Varianten. Eine oft bevorzugte Konstruktion ist die geschweifte Schleppgaube. Diese hat im Normalfall ein ebenes Schleppdach und S- förmig geschwungene Wangenflächen. Die Schieferdeckung einer geschweiften Schleppgaube kann im Rahmen der „Fachregel für Dachdeckungen mit Schiefer“ individuell detailliert und in folgenden Arbeitsschritten ausgeführt werden.
Zunächst wird beiderseits der Gaube eine aus kleinteiligen Kehlbrettern und Dreikantleisten mit passend angeschnittenen Schmiegen bestehende Kehlschalung verlegt. Es ist darauf zu achten, dass diese am Ende der Kehllinie nicht über die Ebene des Schleppdaches hinausragt. Nachfolgend wird die Deckung der Hauptdachfläche an einer Seite der Gaube bis über den Schleppdachknick hochgearbeitet und die Fußlinie des zuletzt gedeckten Gebindes per Schnurschlag auf das Gaubendach übertragen.

Geschweifte Schleppgaube mit eingehender Ankehlung der Gaubenwangen, in einer Dachdeckung aus Schuppen 32/28 cm.
Dann wird das Gaubendach vom Schnurschlag abwärts in passende Deckgebindehöhen eingeteilt. Neigungsbedingt sind auf dem Gaubendach größere Decksteine als auf der Hauptdachfläche erforderlich. Die Deckgebinde des Gaubendaches müssen die gleiche Gebindesteigung und Gebindehöhe haben wie die Deckgebinde oberhalb des Dachbruches. Das wird durch größere Höhenüberdeckung der auf dem Gaubendach größeren Decksteine erreicht. Unter Umständen ist auf dem Gaubendach auch eine Doppeldeckung zweckmäßig.
Wenn möglich, werden die Deckgebinde des Gaubendaches ohne zusätzliche Maßnahmen, über den Dachknick hinweg, zur Hauptdachfläche durchgedeckt. Das erfordert handwerkliche Fertigkeit, da der Neigungsunterschied möglichst gleichmäßig auf mehrere Decksteine des ansteigenden Gebindes verteilt werden muss. Sich sperrig verhaltende Decksteine dürfen nicht durch rigoroses Beihauen ihrer vorderen Kopfpartie gefügig gemacht werden. Erlaubt der Dachknick kein risikofreies Durchdecken der Deckgebinde, muss das Gaubendach separat gedeckt und längs der Dachbruchlinie ein Anschluss an die Hauptdachfläche ausgebildet werden.

Geschweifte Schleppgaube mit eingehender Ankehlung der Gaubenwangen, in einer Dachdeckung aus Schuppen 32/28 cm.
Mehrere Möglichkeiten stehen zur Wahl:
Für einen Anschluss ohne Metall werden längs der Dachbruchlinie die Deckgebinde des Gaubendaches, eventuell gegen die Kantenfläche einer oberhalb der Dachbruchlinie ausgerichteten Dreikantleiste, ausgespitzt. Anschließend werden die Deckgebinde der Steildachfläche mit zuverlässiger Überdeckung auf die Ausspitzgebinde des Gaubendaches eingespitzt. Diese Anschlussausbildung hat den Vorteil, dass Gebindehöhen und Gebindesteigung des Gaubendaches unabhängig von denen der Hauptdachfläche bestimmt werden können und kein Metall erforderlich ist.

Schieferdach in Altdeutscher Deckung mit eingehend angekehlter geschweifter Schleppgaube.
Alternativ können die Deckgebinde des Gaubendaches entlang der Dachbruchlinie ausgespitzt und die Ausspitzgebinde von gekanteten Anschlussblechen aus Bleiblech überdeckt werden. Ein Firstgebinde ist hier nachteilig. Die auf die Ausspitzgebinde übergreifenden Anschlussbleche werden untereinander einfach überdeckt oder durch Liegefalz verbunden. Mehr dazu in „Fachregel für Metallarbeiten im Dachdeckerhandwerk“. Die Deckgebinde der Hauptdachfläche werden auf dem firstseitigen Schenkel der Anschlussbleche eingespitzt.

Anschluss einer mit Decksteinen gedeckten Gaubenwange an die eingehenden Kehlgebinde mittels ungleich großer Schwärmer.
Die Schweifung der Gaube kommt am besten zur Geltung, wenn die Kehlgebinde mit breiten, rund gebrochenen Kehlsteinen an den Wangen hochgeführt, also eingehend gedeckt werden. Dabei beginnen die Kehlgebinde einerseits der Gaube auf einem Einfäller, andererseits auf einem Wasserstein. Die Kehlgebinde enden vor dem Übergang zum Gaubendach unter einem niedrigen, zur Wange geneigten Firstgebinde. Vor der Kehlschalung wird ein ausgehendes Kragengebinde angesetzt. Über dem First- und Kragengebinde schichtet mit schlagregensicherem Überstand die aus Anfang- und Endortgebinden ausgebildete Ortdeckung des Gaubendaches.
Je nach Radius der unteren Bogenlinie nehmen die Kehlsteinrücken der ersten Kehlgebinde eine kritische Schräglage zum Wasserlauf der Hauptdachfläche ein. Deshalb muss die Höhenüberdeckung der Kehlsteine im Bereich des Kehlgebindeanfangs besonders reichlich bemessen werden, damit das gegen die Brust der Kehlsteine fließende und gegebenenfalls dort übertretende Wasser von dem vorherigen Kehlgebinde sicher aufgefangen wird. Auch gesägte Brustkanten der Kehlsteine sollten hier scharfkantig nachbehauen werden.

Detaillierung des Gaubenschleppdaches und
Übergänge zur Hauptdachfläche.
Größere Wangen mit ausreichendem Radius der Wangenwölbung können auch mit niedrigen, parallel zum Wangenfirstgebinde ausgerichteten Decksteingebinden eingedeckt werden. Diese beginnen beiderseits der Gaube an der Stirnrahmenbohle mit einem Anfangort und werden mit unterschiedlich großen Schwärmern an die eingehend gedeckten Kehlgebinde angeschlossen.
Die auf der Hauptdachfläche endende Gaubendachrinne bedarf eines Anschlussbleches aus Blei oder Kupfer, damit das aus der Rinne herausströmende Wasser nicht gegen die Decksteinrücken fließt.