Presse Archiv

Magog: 150 Jahre Schieferbergbau im Sauerland (04.05.2001)

Das Firmenportrait: Schiefergruben Magog GmbH & Co. KG

Tradition und Innovation

Wer Fredeburg oder einen der Nachbarorte besucht, dem wird auffallen, dass weniger Ziegel die Wohnhäuser bedecken, sondern vor allem Schiefer. Der Rohstoff hat der Region für alle sichtbar seinen Stempel aufgedrückt - und das nun schon seit 150 Jahren.

Damals wollte der Bierbrauer Wilhelm Heinemann aus Fredeburg einen Bierkeller einrichten. Hessische Bergleute halfen ihm dabei. Die Gesteinsbrocken fielen in größeren Stücken ab - wie bei Schiefer üblich. Die Prüfung nach Feierabend bestätigte die Vermutung: hier liegt Schiefer.

Mit diesem zufälligen Fund im Jahre 1851 begann die Geschichte des Schieferreviers Fredeburg. Schon bald darauf wurde die Grube „Bierkeller“ gegründet und 1859 „Magog“. Das Unternehmen Magog besteht noch heute. Seine Gruben „Magog“ und „Felicitas“ sind die einzigen noch aktiven Schiefergruben in Nordrhein-Westfalen.

Franz Schran gründete 1859 die Gewerkschaft MAGOG. Später traten Johann Wilhelm Becker und das Bankhaus Korte als Anteilseigner in die Gewerkschaft ein.
Ab August 1945 zeichnete Dr. Elisabeth Blijdenstein, die sich seit Anfang 1939 im Grubenvorstand engagierte, als Repräsentantin für die Gewerkschaft MAGOG verantwortlich. Ihr folgte 1953 Paul Guntermann. Zehn Jahre, bis zu seinem Tode 1963, leitete er als Repräsentant und Anteilseigner die Geschicke des Betriebes und prägte während dieser Dekade das unternehmerische Profil der Schiefergruben MAGOG. Nach dem Tode von Paul Guntermann wurde dessen Sohn Ernst die Federführung für die Grube übertragen. Seither steuert er, erst als Repräsentant, später - nach Umwandlung der Gewerkschaft in eine GmbH & Co. KG - als geschäftsführender Gesellschafter, das traditionsreiche Unternehmen. Übrigens ist Ernst Guntermann nun seit genau 50 Jahren im Unternehmen. Magog hat in diesem Jahr also doppelten Grund zum Feiern.
Seit 1998 ist Ernst Guntermanns Sohn Georg, zuvor Prokurist, als weiterer Geschäftsführer für die MAGOG tätig. Von 1970 bis 1980 wurden die Gruben „Bierkeller“, „Magog“ und „Gomer“ zum Verbundbergwerk „MAGOG/Gomer“ zusammengeschlossen. 1990 kam die Grube „Felicitas“ (Die Glückliche) dazu.

Während der „Magog“-Schiefer in alle nur denkbaren Anwendungen eingeht, ist der „Felicitas“-Schiefer in erster Linie für den Natursteinbereich vorgesehen. Die Firma Magog versteht sich als Komplettanbieter im Schieferbereich. „Wir liefern alles, was der Architekt zeichnet“, so Geschäftsführer Georg Guntermann. Allerdings ist nicht jedes Stück Schiefer, welches die Magog GmbH & Co. KG verlässt, auch Fredeburger Gruben entnommen. Ein Teil des Schiefers wird importiert - zumeist aus Spanien. „Der Schiefer des Auslands ist zwar nicht besser, aber oft kostengünstiger abgebaut“, sagt Guntermann und spricht eines der Hauptprobleme des Schieferbergbaus im Speziellen und des Bergbaus im Allgemeinen an. Die hohen Lohnkosten zwingen hierzulande, an die äußersten Rationalisierungsgrenzen zu gehen, um gegen die günstigeren Südeuropäer mithalten zu können. Hochtechnologie bestimmt daher das Bergbaugeschehen. Arbeiter unter Tage gibt es nur wenige. Sie bedienen mit viel Geschick modernstes Fördergerät. Echte Handarbeit findet man bei Magog vor allem über Tage. Dort werden mit Spaltmeißel und Holzhammer die Schieferplatten bearbeitet. Insgesamt beschäftigt Magog noch 40 Mitarbeiter. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg waren es 150. „Ein weiterer Stellenabbau ist kaum möglich“, so Betriebsleiter Michael Menn, denn das gefährde die Produktion insgesamt.

Um am Markt zu bleiben, müsse „man Visionen haben“, sagt Georg Guntermann. Dass Magog stets diese Ideen hatte, belegt allein schon ihre fortdauernde Existenz und die weiter arbeitenden Gruben. In den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten war der Wind auch für die Fredeburger rau, bedrohten viele äußere Umstände den Schieferabbau: zwei Weltkriege, Inflation, Weltwirtschaftskrise und nicht zuletzt der Rückgang der Schiefernachfrage im zweiten Teil des zwanzigsten Jahrhunderts. Magog hat dies alles er- und überlebt und steht heute wieder sehr gut da. Auch dank guter Ideen, wie das ökologiebewusste Solar-Schiefer-System von Magog. Traditionelle Dach- und Fassadenverschieferungen für Denkmale, Kirchen und öffentliche Gebäude machen mit 90 Prozent zwar immer noch das Gros der Anwendungen aus, doch zeigen Beispiele im Innenausbau (Tische, Wände, Böden, Treppen), dass mit Schiefer noch eine ganze Reihe mehr möglich und dieser Rohstoff zukunftstauglich ist.

Schiefer liegt wieder im Trend - weltweit. Asbest-Skandal und Preisverfall machten das Material auch für den Normalverdiener interessant. Hinzu kommt der Vorteil der höheren Lebensdauer gegenüber industriellen Kunstmaterialien. „Die heimische Region spielt für uns keine wesentliche Rolle als Absatzregion“, sagt Georg Guntermann. Das größte Magog-Projekt überhaupt ging nach Japan. Dorthin lieferten die Fredeburger 160 t Schiefer für den originalgetreuen Nachbau des Schlosses Bückeburg. Auch in Saudi-Arabien schätzt man den Stein aus dem Sauerland. Dort befindet sich Magog-Schiefer in einer Brunnenanlage eines Shopping-Centers.
Nachfrage gibt es genug - ebenso wie Schiefer. Denn in den 150 Jahren seit Entdeckung der Vorkommen ist erst ein Bruchteil davon abgebaut worden.

Download zum Thema

(Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Dokument. Wählen Sie "Ziel speichern unter" und speichern Sie das Dokument auf Ihre Festplatte.)

High-Tech unter Tage: modernes Abreiß- und Beraubegerät

High-Tech unter Tage: modernes Abreiß- und Beraubegerät

High-Tech unter Tage: modernes Abreiß- und Beraubegerät

High-Tech unter Tage: modernes Abreiß- und Beraubegerät

Mit Spaltmeißel und Holzhammer werden aus dem Rohschiefer 5 - 6 mm dicke Platten gespalten.

Mit Spaltmeißel und Holzhammer werden aus dem Rohschiefer 5 - 6 mm dicke Platten gespalten.

Große Sägen, mit Industriediamanten gehärtet, schneiden den Rohschiefer in die erforderliche Größe.

Große Sägen, mit Industriediamanten gehärtet, schneiden den Rohschiefer in die erforderliche Größe.

Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg; Innenwandverkleidung im Rechteckformat.

Bundesanstalt für Arbeit, Nürnberg; Innenwandverkleidung im Rechteckformat.

Rathaus in Schmallenberg.

Rathaus in Schmallenberg.

Alte Reichsbank Hagen, Altdeutsche Deckung.

Alte Reichsbank Hagen, Altdeutsche Deckung.

Schule Olsberg, Spitzwinkeldeckung.

Schule Olsberg, Spitzwinkeldeckung.

Wohnhaus in Wenden, Schuppendeckung.

Wohnhaus in Wenden, Schuppendeckung.

Wohnhaus Wevelhoff, Fredeburger Schiefer.

Wohnhaus Wevelhoff, Fredeburger Schiefer.

Wohnhaus Schmallenberg, Fredeburger Schiefer, Wilde Deckung.

Wohnhaus Schmallenberg, Fredeburger Schiefer, Wilde Deckung.

 

zurück
Bookmark and Share

Schiefergruben
Magog GmbH & Co. KG
Bad Fredeburg
Alter Bahnhof 9
D-57392 Schmallenberg
Tel.: (02974) 96 20 - 0
Fax: (02974) 96 20 - 20
eMail: info@magog.de